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Auf dem Bild ist ein Tisch zu sehen, der fast vollkommen von Schnipseln zerrissener Unterlagen bedeckt ist. Im Hintergund sieht man eine Schrankwand und eine Tür.
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Puzzeln im Lockdown

Studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen bei Rekonstruktion zerrissener Unterlagen

Seit Anfang November ist unsere Ausstellung nun schon für den Besucherverkehr geschlossen. Aber was machen eigentlich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Besucherdienstes während dieser Zeit? Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie unsere studentischen Hilfskräfte an Deutschlands größtem Puzzle arbeiten.

Gemeint ist damit die manuelle Rekonstruktion von zerrissenen Stasi-Unterlagen. Dabei handelt es sich um Dokumente und Karteikarten, die von Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit per Hand zerrissen wurden. Insgesamt 16.000 Säcke mit Schnipseln werden im Stasi-Unterlagen-Archiv bewahrt und schon seit Anfang der 1990er Jahre Schritt für Schritt rekonstruiert. Zwei dieser Säcke werden derzeit von unseren Studentinnen und Studenten bearbeitet.

Einer davon enthielt Dokumente der Hauptabteilung IX/11, zuständig für die Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechen. Konkret ging es in diesem Fall um verschiedene Investitionsprojekte des Deutschen Reichs im besetzten Ausland. Die Hauptabteilung IX/11 nutzte solche Unterlagen einerseits, um NS-Verbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu bringen, aber auch um kompromittierendes Material gegenüber geheimdienstlich interessanten Personen zu gewinnen.

 

Das Bild zeigt einen Studenten, der an einem Tisch sitzt, der voller zerrissener Unterlagen ist. Im Hintergund ist eine Schrankwand und eine Tür zu sehen.

Inzwischen bearbeiten die Kolleginnen und Kollegen Unterlagen der Hauptabteilung II - Spionageabwehr. Im Rahmen der "Abwehrarbeit" arbeitete die Hauptabteilung II auch direkt in der Bundesrepublik. Daher finden sich beispielsweise in den Dokumenten der Abteilung II/19, die die "West-Arbeit" der Sozialistischen Einheitspartei (SED) absicherte, auch Einschätzungen zur Arbeit des westdeutschen Verfassungsschutzes gegen die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) oder die syrischen Baath-Partei.

Ein weiteres Puzzle-Projekt an dem sich die studentischen Mitarbeiter beteiligen, sind zerrissene Karteikarten der Bezirksverwaltung Gera. Hierbei handelt es sich um Teile der so genannten Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskartei (VSH). Dahinter verbarg sich ein System aus Karteikarten zu Personen, zu denen die Stasi aus verschiedenen Gründen Material gesammelt hatte.

Im Gegensatz zu den zentralen Karteien verweisen sie nicht auf operative Vorgänge, sondern auf die Zentrale Materialablage (ZMA) der Dienststellen. Diese machten den Großteil der personenbezogenen Unterlagen der Stasi aus. Gleichzeitig sind bei den ZMA die Verluste durch Vernichtung im Herbst 1989 am höchsten.

Die VSH-Karteien sind damit ein wichtiges Mittel um Unterlagen zu Personen nachzuweisen, zu denen keine zentrale Erfassung existierte oder nachweisbar ist, die aber trotzdem einmal in den Blick der Stasi geraten waren.

Wollen Sie sich selbst mal am Puzzeln versuchen oder mehr über die verschiedenen Karteien der Stasi erfahren? Wir freuen uns auf Ihren Besuch in der Ausstellung - nach dem Lockdown.