1983 unterschrieb Bernd-Peter Kempke seine Verpflichtungserklärung für eine inoffizielle Mitarbeit beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und suchte sich dafür den Decknamen „Michael“ aus. Kempke war seit 1982 als Fanbetreuer beim Berliner Fussballclub (BFC) Dynamo angestellt und hatte durch diese Arbeit einen besonderen Zugang zu den jungen Fans des Vereins.
„Michael“ wurde eingesetzt als „Inoffizieller Mitarbeiter zur politisch-operativen Durchdringung und Sicherung des Verantwortungsbereichs (IMS)“. Hinter dieser sperrigen Bezeichnung verbarg sich unter anderem die konkrete Aufgabe, vermeintlich verdächtige Personen „unter Kontrolle“ zu halten. So übergab „Michael“ seinem Führungsoffizier Namenslisten von Fanclubmitgliedern und Personal des Ordnungsdienstes sowie persönliche Daten von weiblichen Fans, die dem Hörensagen nach Beziehungen mit West-Berlinern hatten.
Sein letzter Treffbericht in der Akte ist auf den April 1985 datiert. Danach wurde „Michael“ nicht mehr als IMS eingesetzt. Laut Bericht seines Führungsoffiziers hatte Kempke mittlerweile ein grundsätzliches Problem mit „Handlungen und Aktivitäten“ der Geheimpolizei im Zusammenhang mit den Spielen des BFC Dynamo.

Aktendeckel des Teil I des IM-Vorgangs „Michael“
Laufzeit: 1983–1988
Umfang: 2 Bände, 107 Blatt
Quelle: BArch, MfS, BV Berlin, AIM, Nr. 6578/88
